Die Antinoitische Straße

von Linus Henrichs

Die Antinoitische Straße verläuft als eine von zwei Hauptstraßen der Stadt Hermopolis von Westen nach Osten. Sie teilt die Stadt damit in einen nördlichen Teil, der Zitadelle genannt wurde und einen südlichen, die Polis. Die Straße war etwa 1km lang und mindestens 7m breit. Im Zentrum bildet sie zusammen mit dem Dromos/Prozessionsweg des Hermes, der anderen Hauptstraße, eine Kreuzung und den symbolischen Mittelpunkt der Stadt. Ihren Namen erhält sie von der Nachbarstadt Antinoupolis, mit der sie Hermopolis verband.

Sie wird häufig mit der Straße identifiziert, die im Papyrus P. Vindob. gr. 12565, einem Kostenanschlag für Reparaturarbeiten, genannt wird. Zahlreiche Gebäude werden beschrieben und die Kosten und Materialien genannt, die für ihre Wiederherstellung aufgewendet werden müssten. Auf der Grundlage dieses Textes versuchten Archäologen wie Günther Roeder oder Donald Bailey Überreste in Hermopolis Magna mit den genannten Gebäuden zu identifizieren, wie dem Komasterion, dem Ausgangspunkt religiöser Zeremonien, dem Hadrianstempel, oder dem Serapistempel, und auf diese Weise den antiken Stadtkern zu rekonstruieren.

Doch es gibt auch Kritik an einem solchen Vorgehen, da der Papyrus, der die Grundlage für alle modernen Rekonstruktionen des antiken Stadtbildes darstellt, die Stadt Hermopolis an keiner Stelle erwähnt. Kritiker halten es für wahrscheinlicher, dass es sich bei der beschriebenen Straße um einen Ort in Alexandria handelt, da einige erwähnte Gebäude bis heute in Hermopolis nicht gefunden werden konnten.

Literatur: